Chor-Konzert: Viel Applaus für Roundabout
Hinter dem Erfolg steckt ein spielerisches Geheimnis
Neuss Mehr als 2,5 Millionen organisierte Chorsänger gibt es in Deutschland, die beruflich tätigen Mitglieder in den Chören etwa von Rundfunkanstalten oder Opernhäusern, nicht mitgezählt. Das ist eine Zahl, die viel über die Lust und Freude der Menschen am gemeinsamen, freizeitlichen Singen ausdrückt. Und haben sich dann erst einmal genügend Enthusiasten gefunden, braucht es "nur" noch einen Chorleiter, der diese Energie in professionelle Bahnen lenkt.
Ein Beispiel: Roundabout heißt der mehr als 60-köpfige Chor der Musikschule, der nun schon seit mehr als dreizehn Jahren erfolgreich ist und ein Aushängeschild Neusser Kultur genannt werden darf. Mit Anne Hartkamp hat dieser Chor eine Lehrerin, die für jedes Ensemble einen Glücksfall bedeutet. Selbst eine leidenschaftliche Jazzmusikerin und unter anderem anerkannte Dozentin am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück, weiß sie genau, wie es einem geht, der "Musik "machen" will. Und man spürt, sie gibt dieses Wissen gerne weiter.
Ausdrucksstark dirigiert sie die einstudierten Stücke, messerscharf artikuliert sie die Pointen und der Chor folgt ihr auf jede Bewegung. Sie hat die Qualitäten und Stärken dieses Klangkörpers in eindrucksvoller Art ausgebildet und fordert diese auch immer wieder. Anne Hartkamp scheint genau zu wissen, welches Potential Roundabout besitzt. Und der Chor gibt ihr dieses Vertrauen gerne zurück, kraftvoll und leidenschaftlich werden die verschiedensten Songs interpretiert.
Das Repertoire umfasst mittlerweile eine breite Palette aller Musik- und Stilrichtungen. Der Abend im bis auf den letzten Platz besetzten Forum der Sparkasse war in drei Themenblöcke aufgeteilt: Afrika, Jazz und Sixties/Seventies. Im Vorprogramm gaben sich 8Klang die Ehre, ein achtköpfiges Damenensemble, das als Workshop aus Roundabout entstanden ist. Die auflockernde und souveräne Moderation zwischen den einzelnen Vorträgen übernahmen die Chormitglieder auch gleich selbst. "I've Got To Sing My Song" von Oleta Adams, ein wunderschön arrangiertes "Under African Skies" von Paul Simon oder das traumhafte "Georgia On My Mind" von Hoagy Carmichael deuten nur ansatzweise das Gesamtspektrum des Chores an. Wenn man als Zuhörer dazu die ausgelassene Stimmung und den puren Spaß aller Akteure erlebt, wird das spielerische Geheimnis erkennbar, das Roundabout so erfolgreich macht.
Langanhaltender Applaus - nach zwei sehr kurzweiligen Stunden und diversen Zugaben - war daher der mehr als verdiente Lohn.