Keine Experimente nötig

Neuss Dieser Konzert-Abend hatte schon etwas besonderes, da war noch überhaupt kein Ton im Neusser Zeughaus erklungen. Dies lag zum einen an der relativ seltenen Gelegenheit, an einem 29. Februar überhaupt Live-Musik hören zu können. Doch vor allem lag es an der Vorfreude auf „Roundabout“, jenem Neusser Jazzchor, der Jahr für Jahr seine Zuhörer mit wunderbaren Abenden beglückt und am Freitag ein Genurtstagkonzert geben durfte.

Zehn Jahre „Roundabout“ - diese Erfolgsgeschichte war 1998 wohl kaum abzusehen. Um so schöner ist es, Chorleiterin Anne Hartkamp und ihren Chor vor einem vollbesetzten Zeughaus erleben zu können.

„Roundabout“ hat sich zu einem Aushängeschild der Neusser Kulturlandschaft entwickelt. Vielleicht stieß Reinhard Knoll, Chef der Neusser Musikschule, bei seiner Eröffnungsrede ja auf offene Ohren, als er den Wunsch äußerte, die Stadt möge den Chor auch über die Stadtgrenzen hinaus als Repräsentanten nutzen. Kulturdezernentin Dr. Christiane Zangs konnte sich im Anschluss jedenfalls von der Qualität des Chores überzeugen.

Wer auf eine zehnjährige Chorgeschichte zurückblicken kann, der muss an einem Konzert aus diesem Anlass keine Experimente wagen. Vielmehr präsentierte „Roundabout“ eine bewährte Melange ihres festen Repertoires, garniert mit einigen Leckerbissen.

Gänzlich zurück zu den Wurzeln ging es mit dem ersten Lied des Abends: „What a wonderful world this would be“ war der erste Song, den sich „Roundabout“ einst erarbeitete. Und wie viele sind seitdem hinzu gekommen: Wunderschöne Arrangements, meist aus der Feder von Anne Hartkamp, dem Herz des Chores.

Nicht alles klappt und ist so stimmig wie die Adaption des Blues-Klassikers „Sitting on the dock of the bay“. So wirkten insbesondere die perkussiven Elemente bei „Killing me softly“ etwas hölzern. Und auch das Duo „Vogical“ (Eva Küppers-Sironic und Beate Thiele-Hecker) hatte sich mit „Spain“ einen Titel für ihr musikalisches Intermezzo ausgesucht, der nicht unbedingt zu den sonst so jazzigen Musikerinnen passen wollte.

Aber wer will schon mäkeln, angesichts so einfühlsamer Arrangements wie Gershwins „Summertime“ oder dem weihnachtlich klingenden Beleg, dass „Roundabout“ auch noch Schwedisch gelernt hat („Vem kann Segla“). Anne Hartkamp war die Freude über dieses Konzert jedenfalls auch noch am Tag danach anzumerken. „Dieser Saal und dieses Publikum machen einfach Spaß. Und ich denke, mein Chor hat seine Sache richtig gut gemacht. Ich fordere ihnen immer schwierigere Arrangements ab, und sie packen das. Diese Arbeit ist eine große Bereicherung.“ Auf die nächsten zehn Jahre…

© NGZ-online.de 02.03.2008
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